„Geschlossene Designer-Ökosysteme sind Wunschdenken der Anbieter“

VDA 5050 ist ein junger Standard, der durch seinen Ursprung in der deutschen Automobilindustrie regionale Wurzeln hat. Dieser Ursprung ist logisch, da die deutsche Automobilindustrie seit vielen Jahren führend in der Automatisierung ist und hier zuerst die Notwendigkeit eines Standards bestand. Wir sehen inzwischen deutlich, dass der VDA 5050 überregional an Bedeutung gewinnt und beispielsweise US-Kunden großes Interesse an entsprechenden Lösungen zeigen.

Malte Kersten ist Head of Product Line Intralogistics bei der Continental Automotive Technologies GmbH, Product Center Autonomous Mobile Robots. Foto: Continental.

Ein Standard wie VDA 5050 ist eine Notwendigkeit, um mobile Roboter in großen Skalen einzusetzen. Die Zukunft der mobilen Robotik kann nicht sein, dass Anbieter proprietärer Systeme Endanwender dazu zwingen, entweder unterschiedliche Applikationen exklusiv von einem Anbieter zu beziehen – oder eine IT-Architektur mit diversen parallelen Flottenmanagern zu akzeptieren. Schon allein der limitierte Platz in Produktionswerken erfordert, dass Systeme verschiedener Anbieter interagieren und nicht in abgegrenzten Bereichen als Solitäre agieren. Das geschlossene „Designer-Ökosystem der Intralogistik“ ist damit ein Wunschdenken einzelner Anbieter und entspricht nach unserer Erfahrung in keiner Weise den Interessen der Kunden.

Der VDA 5050-Standard erlaubt es, die zunehmende Komplexität von mobilen Roboterflotten durch kontinuierliche Automatisierung und Digitalisierung von intralogistischen Wertschöpfungsprozessen perspektivisch weiter beherrschen zu können: Zentrale Flottensteuerungen navigieren auf Basis des VDA 5050-Standards die einzelnen Applikationen herstellerübergreifend und bedarfsgerecht und setzen sie zielgerichtet ein. Standards sind damit ein Schlüsselelement auf dem Weg zur Smart Factory und der Enabler für eine holistische und systemische Analyse von Materialflüssen.

Ein AMR von Continental Mobile Robots war Teil der erfolgreichen, großangelegten Showcase „Mobile Robots in Production“ während der Automatica 2023. Foto: SYNAOS.

VDA 5050 ist kein Allheilmittel, sondern benötigt eine enge und proaktive Kollaboration zwischen Roboter- und Software-Anbietern, um Lücken im Standard zu schließen. Die aktuelle Version 2.0.0 ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung und zeigt, dass der VDA 5050 ein lebender Standard ist, der die Bedürfnisse von Kunden und Anbietern in ein gutes Gleichgewicht bringt.

Wenn Software- und Roboter-Hersteller eng kollaborieren, wird die volle Entfaltung der jeweiligen Stärken des Roboters als auch der Software sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung des VDA 5050 gewährleistet – und der Kunde gewinnt. Damit gelingt auch der Brückenschlag, dem Kunden maximale Entscheidungsfreiheit zu gewähren, ohne die Leistung der Produkte zu begrenzen. Ohne eine enge Kollaboration zwischen Flottenmanagement- und Roboterhersteller leidet die System-Leistung und damit der Ruf des VDA 5050.

Die gefürchtete Funktionseinschränkung der Roboter ist eine Konsequenz mangelhafter Zusammenarbeit zwischen den betreffenden Anbietern. Ist die notwendige Kollaboration gegeben, bietet der Standard einen elementaren Vorteil: Herstellerübergreifende Berechenbarkeit für den Kunden und damit die Basis für eine skalierbare Optimierung der Intralogistik.

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