Volkswagen Slovakia (VWSK) automatisiert die Materialversorgung im Karosseriebau des Werks Bratislava mit43 fahrerlosen Transportfahrzeugen (FTF, engl. AGV) von Asseco CEIT. Vier verschiedene Robotermodelle arbeiten als eine Flotte, gesteuert von der SYNAOS Intralogistics Platform über den Schnittstellenstandard VDA 5050 und verbunden mit dem Volkswagen-eigenen IT-System.
Seit dem schrittweisen Rollout ab 2023 meldet VWSK einen Automatisierungsgrad von 85 Prozent.
Nordwestlich von Bratislava trifft die Idylle einer grünen Hügellandschaft am Fuße der Kleinen Karpaten auf intralogistische Exzellenz. Hier im Stadtteil Devínska Nová Ves befindet sich das Volkswagen-Werk Bratislava. Es gehört zu den vielseitigsten Automobilwerken Europas und wartet mit gleich mehreren Superlativen auf: Rund 12.300 Beschäftigte produzieren auf einer Gesamtfläche von knapp 250 Fußballfeldern Fahrzeuge u.a. der Marken Audi, Porsche, Seat, Skoda und Volkswagen.
Jemandem,der die Halle H6b – den Karosseriebau des Skoda Superb und des VW Passat – betritt, offenbart sich ein weiterer Superlativ. Und eine authentische Momentaufnahme in die Zukunft der Automobilproduktion: ein automatisierter innerbetrieblicher Materialtransport im Karosseriebau, den seit 2023 mobile Roboter übernehmen.
Das macht dieses Werk zu einem der Modernsten weltweit und zum Innovativsten innerhalb der Volkswagen-Gruppe.

Zum Einsatz kommen sie fast über die gesamte Fläche der Halle. Ihr erster Anlaufpunkt ist ein speziell designierter Übergabebereich: Mehrere Lkw des Logistikpartners DHL liefern täglich das für den Karosseriebau benötigte Material an und werden von DHL-Staplerfahrern entladen. Das Material fahren sie ins angrenzende Hochregallager. Auf Basis von Echtzeitverbrauchsdaten der Fertigung weist ein Volkswagen-seitiges IT-System den Fahrern bedarfsweise Transportaufträge zu. Sie gabeln es in einem der Regale auf und stellen es für die Abholung durch mobile Roboter in der Übergabezone bereit.
Ab hier übernehmen diegelb-schwarzen Unterfahr- und Gabelhub-Roboter des Herstellers Asseco CEIT. Sie wurden rechtzeitig von der SYNAOS-Software, die ihrerseits mit dem Volkswagen-System verknüpft ist, damit beauftragt. Blinkend nähern sie sich behutsam der Übergabezone, drehen sich in Position. Je nach Beschaffenheit des Ladungsträgers fahren die Unterfahr-FTF unter die Paletten, die autonomen Stapler lesen die weißen Kunststoffbehälter mit der Gabel auf.

„Die logistischen Prozesse in unserem Karosseriebau sind hochkomplex und hochtechnologisiert“, erzählt Ronald Müller. Als Projektleiter neue Fahrzeugprojekte bei Volkswagen Slovakia (kurz:VWSK) verantwortet er die Automatisierung von Intralogistikprozessen wie den autonomen Transport und die automatisierte Bereitstellung von Karosserieteilen. Bereits in der frühen Phase von neu zu planenden Fahrzeugprojekten sei es wichtig, Automatisierungslösungen mit einzuplanen.
Ziel war es, den Materialfluss im Karosseriebau mit Hilfe autonomer mobiler Roboter zu automatisieren und ihn softwareseitig intelligent zu steuern.
„Nur, wenn ich eine effiziente, robuste Layout- und Prozessplanung mache, die das Automatisierungspotenzial mit berücksichtigt, kann ich eine gute Automatisierungslösung, einen robusten Prozess hinstellen.“

Das Team um Ronald Müller hat seit 2023 schrittweise 43 mobile Roboter des österreichischen/slowakischen Herstellers Asseco CEIT in Einsatz gebracht. Denn bei VWSK herrschen in der Logistik ein enormer Kostendruck und hohe Anforderungen an Anpassungsfähigkeit. Heute blickt Müller auf seine Erfolgsgeschichte zurück: „Diese Wandelungsfähigkeit haben wir hier in dem Projekt das erste Mal wirklich nachgewiesen. Trotz der unterschiedlichen Ausprägungen der Roboter haben wir eine effiziente und gut durchstrukturierte Fahrzeugflotte aufgebaut. Seit der Integration der SYNAOS-Software und den CEIT-FTFs haben wir es geschafft, einen Automatisierungsgrad von 85 Prozent umzusetzen.“
„Die Effizienz und die Flexibilität ist durch den Einsatz unserer Software-Plattform hier am Standort wesentlich ausgebaut worden“, sagt Dr. Wolfgang Hackenberg, CEO und Gründer von SYNAOS. Er war von Anfang an in das Projekt involviert. „Wir sind hier stückweise hochgefahren, denn wir arbeiten mit Partnern zusammen, die hier manche logistische Prozesse noch manuell machen. Das heißt, wir haben Übergabeplätze, an denen manuelle Prozesse herrschen. Das musste sich im ganzen Prozess erst einspielen.“
Der Flottenmanager der SYNAOS Intralogistics Platform hat einen bedeutenden Teil zu diesem Erfolgbeigetragen. Er bot den Automatisierungsverantwortlichen von VWSK erstmals die Möglichkeit, die verschiedenen Intralogistik-Assets effizient miteinander zu verbinden. Seither haben die Verantwortlichen alles live im Blick: Standorte, Routen, Ladezustände und Aufträge der einzelnen Roboter.
Vier Modelle – je zweiverschiedene Unterfahr-FTF und Gabelhub-FTF – des Robotikspezialisten Asseco CEIT surren über die glatten Böden der Halle. Wobei surren nicht ganz zutrifft. Jedes einzelne gelb-schwarze FTF dudelt im Live-Betrieb mittels eingebautem Lautsprecher Fantasiemelodien vor sich hin. „Das dient dem Arbeitsschutz“,erklärt Günther Meyringer, CEO von CEIT.
.png)
VDA 5050 ist ein offener Schnittstellenstandard von VDA und VDMA, der festlegt, wie FTF und autonomemobile Roboter (AMR) mit einer zentralen Flottensteuerung kommunizieren.
Angesprochen auf die Herausforderungen dieses Automatisierungsprojektes erzählt Meyringer:„Das erste ist allein die Dimension der Halle, in der wir hier tätig sind. Das sind zig Fußballfelder. Das zweite ist die Vielzahl der Abgabe- und Aufnahmestationen für unsere FTF. Wir mussten hier insgesamt über 200 Stationen implementieren. Der dritte wesentliche Komplexitätsfaktor bezieht sich auf die Materialarten, unterschiedliche Karosserieteile, die wir transportieren müssen.“
Die Materialträgervielfalt macht den Einsatz vier verschiedener CEIT-Modelle notwendig: Die Stapler-FTF 1500FCB und 1500FS sowie die Unterfahr-FTF 1200F und 1500UDS.
Zusätzlich sah sich der Roboterbauer erstmalsmit einer weiteren Herausforderung konfrontiert: Die Integration der Roboter mittels VDA 5050. Meyringer resümiert: „VDA 5050 als Standard, das war ehrlich gesagt viel Arbeit für uns als Roboterhersteller. Wir hatten davor eine proprietäre Software, die auch sehr gut funktioniert hat. Wir mussten alle unsere Software-Komponenten auf VDA 5050 umstellen, sehen aber jetzt einen Produktivitätsgewinn dadurch, weil wir gezwungen sind, mehr in Standards zu denken, mehr offene Schnittstellen umzusetzen und langfristig sowohl für den Kunden als auch für uns die Entwicklungen dadurch einfacher wird.“
Dr. Wolfgang Hackenberg spricht eine Besonderheit an, die bei vielen Intralogistikentscheidern, die jetzt automatisieren sollen, wohl einen Nerv treffen dürfte: „Wir haben hier ein Greenfield-Projekt an einem Brownfield-Standort mit einer neuen Halle und einer neuen Mannschaft, die hier zusammengekommen ist. Das heißt: Es war zwar schon sehr viel prozessuale Expertise vorhanden. Doch natürlich noch nicht in Bezug darauf, wie mobile Roboter eigenverantwortlich frei durchs Layout fahren können, orchestriert via VDA 5050 von einer zentralen Flottensteuerung wie unserer. All das mussten wir zusammenbringen und auf ein neues Niveau der Flexibilisierung bringen.“

Der Standard sei einen entscheidendes Mittel, um Projekte wie dieses erfolgreich durchzuführen.
„Die VDA 5050 ist mehr als ein technologischer Standard. Sie ist ein Mittel zur Professionalisierung von Mobile-Robotics-Projekten“, meint Hackenberg, „weil das Zusammenspiel der Partner besser orchestriert wird. Und egal, über welche Anzahl Roboter wir künftig sprechen wollen, brauchen wir genau diese Professionalisierung. Denn Roboter benötigen verlässliche Informationen von ihrer Umgebung, Kartenlayouts. Hier spielt das Thema Emulation unserer Software hinein. Wir können uns schon frühzeitig verschiedene Gegebenheiten digital angucken, eine digitale Inbetriebnahme machen.“ Diese Möglichkeit sei essenziell an Greenfield-Standorten.
„Die VDA 5050 ist mehr als ein technologischer Standard. Sie ist ein Mittel zur Professionalisierung von Mobile-Robotics-Projekten“ - Dr- Wolfgang Hackenberg
Günther Meyringer bestätigt das. Logistikentscheidern, die jetzt über Automatisierung nachdenken (sollen), rät er, eine frühzeitige, solide Voranalyse zu machen, um die genauen Ziele zu definieren: „Zum Beispiel: Wie viele und welche Prozesse sollen automatisiert werden? Welche Materialien sollen transportiert werden? Und, wie es in diesem Projekt gemacht wurde, eine dynamische Simulation.
In einer Fahrsimulation lassen sich rechtzeitig viele Problem- und Schwachstellen herausfinden. Bei der Softwareauswahl sollte man dann schauen, dass die Software sehr funktional ist. Es geht ja nicht nur darum, etwas von A nach B zu bewegen. Sondern man muss eine sehr gute Integration mit den vorgelagerten Warehouse-Systemendurchführen. Und da ist SYNAOS sicher eine der besten Lösungen am Markt.“
Mittlerweile bringen die von SYNAOS gesteuerten, maschinellen Kollegen von CEIT einen spürbaren Mehrwert auf dem Shopfloor in Halle H6b.
„SYNAOS‘ Plattform bietet uns volle Transparenz über alle bestehenden Aufträge in Echtzeit und an einem Ort. Wir können nachverfolgen, wann ein einzelner Roboter einen Transportauftrag begonnen hat oder ob er verspätet ist“, berichtet Juraj Danielovits, Planer IT-Logistik bei VWSK. „Und dass wir FTF mehrerer Hersteller auf einer Plattform zusammen steuern können, ist enorm wirtschaftlich und entspricht unserer Vorstellung einer zukunftsgerichteten Automatisierungsstrategie.“
Die Entwicklung bei der mobilen Robotik schreitet indes rasant voran. Die Kundenanforderungen sind größter Treiber: „Speziell in den Bereichen Sicherheit und Effizienz. Die Roboter arbeiten nicht mehr nur mit LiDAR-Scannern, sondern auch mit 3D-Kameras für Obstacle Detection. Und sie werden immer schneller fahren können. Auch die Integration mit Softwareanbietern wie SYNAOS spielt eine immer größere Rolle. VDA 5050 ist bei fast jeder Ausschreibung ein Muss“, weiß CEIT-CEO Günther Meyringer.
Die Zukunft der Automobilproduktion, meint Ronald Müller, sei von Kostendruck, volatilen Lieferketten und disruptiven Wettbewerbsmethoden geprägt. „In zehn Jahren, bin ich der Meinung, wird unsere Intralogistik daher hochvernetzt sein. Sie wird in großen Teilen digitalisiert und automatisiert sein und wir werden immer mehr Automatisierungslösungen sehen.“ Bei VWSK gebe es noch viele Möglichkeiten, effizienter, noch flexibler zu werden.
„Wenn man den Standortverlässt“, fügt Dr. Wolfgang Hackenberg hinzu, „und weiter in die Zukunftguckt, wird es noch andere Formen der Automatisierung geben. Robotik entwickeltsich weiter, ist nicht nur mobil, sondern auch humanoid. Das sind Entwicklungen,die auf die Branche zukommen. Wir werden hier mehr Automatisierung sehen. Wir werden hier mehr Flexibilisierung sehen. Und der Standort wird auch in der Zukunft führend sein bei diesen Themen.“
------------------------------------------
43 mobile Roboter von Asseco CEIT, seit 2023 schrittweise in Halle H6b in Betrieb, dem Karosseriebau für Skoda Superb und VW Passat. Sie bedienen über 200 Abgabe- und Aufnahmestationen. Seit dem Dreh im Jahr 2025 ist eine weitere Halle in betrieb genommen worden, somit sind Stand Okt 2026 89 mobile Roboter unterschiedlicher Hersteller im Einsatz.
Vier Modelle von Asseco CEIT: die Stapler-FTF 1500FCB und 1500FS sowie die Unterfahr-FTF 1200F und 1500UDS. Dieunterschiedlichen Ladungsträger für Karosserieteile machen vier Modelle notwendig.
Der Flottenmanager der SYNAOS Intralogistics Platform. Er ist mit dem Volkswagen-IT-System verbunden und zeigt Standorte, Routen, Ladezustände und Aufträge jedes Roboters live an.
Die Roboter werden über VDA 5050 von der SYNAOS-Flottensteuerung orchestriert. CEIT hat dafür alle Software-Komponenten von proprietärer Software auf VDA 5050 umgestellt. CEIT-CEO Günther Meyringer sieht darin einen Produktivitätsgewinn und sagt: „VDA 5050 ist bei fast jeder Ausschreibung ein Muss“.
Laut Juraj Danielovits, Planer IT-Logistik bei VWSK, ist es „enorm wirtschaftlich“, FTF mehrerer Hersteller auf einer Plattform zusammen zu steuern, und entspricht der Vorstellung einer zukunftsgerichteten Automatisierungsstrategie. Die Flotte in Halle H6b kombiniert vier Robotermodelle von CEIT. Die zusätzliche Halle, die in Betrieb genommen wurde, hat Fahrzeuge anderer Hersteller nahtlos integriert.
DHL-Staplerfahrer stellen Material auf Basis von Transportaufträgen aus einem Volkswagen-IT-System in einer Übergabezone bereit. Die SYNAOS-Software beauftragt die FTF, die das Material abholen und in den Karosseriebau bringen.
Günther Meyringer empfiehlt eine frühe Voranalyse: festlegen, welche Prozesse und Materialien automatisiert werden, eine dynamische Fahrsimulation durchführen und Software wählen, die sich gut mit vorgelagerten Systemen integriert. Wolfgang Hackenberg ergänzt, dass die Emulation der Software eine digitale Inbetriebnahme vor dem Go-live ermöglicht.
Schließen Sie sich 1.000+ Intralogistik-Insidern an, die Insights direkt per E-Mail erhalten.